Was hat der Film "Ein Sommer in Orange" mit systemischem Denken zu tun?

Im Oktober trafen sich 10 ISH-Therapeuten zusammen mit Peter und Ulrike Kleylein zum alljährlichen ISH-Jahrestreffen in Bad Reichenhall. Dieses Jahr fand der Anlass erstmals über 4 Tage statt.

In dieser gemeinsamen Zeit gab es systemische Aufstellungen in der Gruppe, Einzel-Settings, schamanische Reisen, Meditationen und Hypnoreisen welche sich abwechselten mit Aktivitäten in der Natur wie eine Wanderung auf die Bäckeralm oder einem "Nature-Walk". Die weiblichen und männlichen Aspekte des "Seins" und "Tuns" wurden also in der Praxis gelebt. Und wie immer wurden wir auch auf der phyischen Ebene bestens genährt.

Bäckeralm

Apropos männlich. Ich habe mich sehr gefreut, dass wir einen ausgeglichenen Mix von Männern und Frauen an diesem Treffen hatten. Es zeigt sich, das systemische Hypnotherapie und damit die intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Weg und den eigenen Themen endlich auch bei den Männern angekommen ist. Ich bin noch immer sehr berührt, dass wir Männer uns öffnen für diese Themen und damit uns so zeigen, wie wir sind.

Der Austausch und die gegenseitige Unterstützung waren und sind für mich sehr wertvoll. Es ist ein wirklicher Austausch zwischen allen hier anwesenden Menschen, jeder mit seinen Stärken und seinen Sichtweisen und ich bin unglaublich dankbar, Teil dieser Gruppe zu sein. Und dieser Austausch geht ja auch über die ISH-Plattform online weiter. (www.ish-schweiz.ch)

An einem Abend haben wir gemeinsam den Film "Ein Sommer in Orange" (von Marcus H. Rosenmüller aus dem Jahr 2011) im wunderschönen Park-Kino genossen. Der Film handelt von einem Mädchen, welches gerne ein normales Leben führen würde. Dem wird aber nicht so durch den Umzug ihrer Bhagwan-Kommune von Berlin in ein bayrisches Dorf. Der Film handelt vom Wunsch der Menschen freier und wilder zu leben - und im Gegensatz von der Sehnsucht nach Regeln und Ordnung als Lebensbasis. Lilli, die 12jährige Tochter und Hauptdarstellerin des Films, gerät zwischen die Fronten und weiss zeitweilig selber nicht mehr, wer Sie ist und wo Sie hingehört.



Foto: Christian Hartmann, Majestic Filmverleih

Der Film ist äussert interessant, auch aus systemischer Sicht. Er zeigt sehr schön auf, was passiert, wenn die systemischen Grundsätze der Zugehörigkeit, der Ordnung und des Ausgleichs missachten werden.


Die Konfrontation der sich wider-sprechenden Wertesysteme und einander unverständlich bleibender Verhaltensweisen, ist ein Thema, das gerade jetzt brandaktuell ist. Unsere alten Wertesysteme brechen weg und neues, noch unbekanntes darf sich zeigen. Und das macht vielen Menschen Angst. So betrachtet ist der Film sehr aktuell.


Die leicht überspitzt dargestellten Verhaltensweisen der einzelnen Figuren sind gut recherchiert und authentisch dargestellt. Kein Wunder, die Drehbuchautorin Ursula Gruber, wuchs selbst in einer Bhagwan-Kommune südlich von München auf.

Der Film zeigt zwei Perspektiven. Den Blick auf die Welt aus Sicht der Erwachsenen, welche in der Kommune in einer permanenten Selbstfindungsphase sind, der Blick der Erwachsenen im Dorf, welche Veränderung und neues mit Argwohn betrachten und der kindliche Blick auf die Welt aus den Augen der 12jährigen Lilli, welche von den Erwachsenen nicht gesehen und nicht verstanden wird, weil deren Fokus an einem ganz anderen Ort ist.

Ich habe diesen Film aus dem "systemischen Blickwinkel" betrachtet und kann ihn allen Menschen empfehlen, welche sich mit dem Thema der systemischen Grundsätze auseinandersetzen möchten. Die Komödie ist "Anschauungs-Unterricht" gepaart mit vielen Lachern. Einfach köstlich.


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